Recht hat er, nicht nur, wenn es um bleibende Urlaubseindrücke geht. Denn was sind die großen Bilder unseres Lebens, die es wert sind, im Gedächtnis festgehalten zu werden: das Quengeln der Kinder, die wieder einmal nicht ins Bett wollen, oder der Moment, in dem sich die kleine Hand vertrauensvoll in die große schiebt? Das Schnarchen des Bettnachbarn oder das aufmunternde Wort bei der Visite am Morgen? Die dummen Sprüche der anderen oder der Stolz, etwas geleistet
zu haben?
Welche Momente sind es wert, in unseren Lebensrucksack gepackt und als Lebenserfahrung abgespeichert zu werden? Denn unsere Speicherkapazität ist begrenzt, und wir müssen auswählen, was uns im Gedächtnis bleiben, welche Erlebnisse und Eindrücke unser Denken und Fühlen bestimmen sollen. Da wäre es misslich, sich an Kleinigkeiten „aufzuhängen“ und sich mit Nickeligkeiten abzugeben. Unsere (Lebens)Zeit ist zu kostbar, um sich von all dem Negativen bestimmen zu lassen. Was nicht heißt, alles, was stört, einfach auszublenden, sondern ihm den Platz zuzuweisen, der ihm zukommt. „Die Sonne soll über eurem Zorn nicht untergehen“ (Eph 4,26), lautet eine der Lebensweisheiten der Bibel: eine Anleitung zum positiven Denken. Dazu bedarf es gewissermaßen einer geistigen Hygiene: sich nicht von äußeren Eindrücken und Stimmungen abhängig zu machen, sondern dem eigenen Denken und Fühlen selbst den Stempel aufzudrücken.
Doch zum Glück haben wir es selbst in der Hand, welche Bilder sich einprägen und unser Leben bestimmen, sei es die Erinnerung an eine beglückende Begegnung, eine durchtanzte Love Parade, einen romantischen Sonnenuntergang: Bilder, die mitgehen und das Leben positiv begleiten. Da macht sich einfach nicht gut, aus jeder sprichwörtlichen Mücke einen Elefanten zu machen - und das nicht nur auf dem Urlaubsfoto.
Ruhrnachrichten, 4. August 2008