Kolumnen

Dortmunder Grabeskirche

Habe ich da etwas nicht mitbekommen? Eine Grabeskirche in Dortmund? Sozusagen eine Nachbildung der Jerusalemer Grabeskirche? Womöglich im Miniaturformat a la Legoland und Disneyworld, erweitert um Klagemauer und Felsendom und Al-Aqsa-Moschee? 

So war es nun doch nicht gemeint, als letzte Woche die Ankündigung überraschte, die Liebfrauenkirche werde künftig ein Ort für Urnenbestattung sein. Ein würdiger Ort, wie ich meine, und eine alte Tradition, die auf allerdings neue und ungewohnte Weise wieder belebt wird. Bislang war es ausschließlich Königen und Fürsten, Bischöfen und Äbten vorbehalten, in den Kirchen und Domen beigesetzt zu werden. Mit der Feuerbestattung - eine zugegeben vergleichsweise junge Tradition zumindest in der katholischen Kirche – ergeben sich nun neue Möglichkeiten, Urnengräber auch in die Kirchen und in die Lebensräume unserer Städte hineinzuholen. Eine ganz und gar nicht anrüchige Form der Totenverehrung. Im Gegenteil! Eine durch und durch christliche Weise, mit unseren Toten verbunden zu sein.

War es in der Frühzeit des Christentums noch so, dass die Kirchen in den Katakomben errichtet wurden, um über den Gräbern das Amt der Auferstehung zu feiern, so hat sich mit dem Reliquienschrein, der in jeden Altar einer geweihten Kirche eingelassen ist, dieses Bewusstsein gehalten: Uns wird das Leben gewandelt, nicht genommen. Der Tod hat keine Macht mehr über uns. Das ist unser Glaube, und wo könnte dieser machtvoller bezeugt werden als da, wo wir unsere Toten in die Nähe unserer spirituellen Kraftzentren bringen, indem wir sie auf dem Kirchhof bestatten, in geweihter Erde auf dem Friedhof oder eben als Urnengräber in unseren Kirchen. Auch wenn ich weiterhin ein Fan deutscher Friedhofskultur bin, wo über den Denkmälern unserer Vergänglichkeit die Natur zu neuem Leben erwacht, prophetisches Zeichen des Lebens, bin ich überzeugt, dass auch unsere Grabeskirchen machtvoll auf das hinweisen, was sie eigentlich sind: Auferstehungskirchen – genau wie in Jerusalem.

Ruhrnachrichten 14.April 2008


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