Kolumnen

Palmsonntag - oder: Deutschland sucht den Superstar

Vorgestern an der Fußgängerampel. Mein Blick bleibt an einer Plakatwand hängen. Darauf das großflächig plakatierte Bekenntnis von Thomas Gottschalk. “BILD hat mich erst zur Schnecke gemacht und dann zum ‘Titan’! Wer in Deutschland was werden will, muss da durch!”

Da schreibt Deutschlands bekanntester Entertainer mit erstaunlicher Offenheit von seinen Ambitionen, sich von dem Blatt mit den roten vier Buchstaben hochjubeln zu lassen - auch um den Preis der  öffentlichen Demontage. Seine Leidensfähigkeit in Ehren, aber muss man sich das antun, um in Deutschland oder sonst wo was zu werden? Muss man da durch, um von anderen wahrgenommen, gelobt, geliebt zu werden?

Der Palmzweig, den ich auf dem Weg vom Gottesdienst noch in den Händen halte, lehrt mich da etwas ganz anderes: Du bist schon wer, egal, was die anderen von dir denken oder sagen. Die öffentliche Meinung kann grausam sein, unbarmherzig und ungerecht. Unser „Jesus Christ Superstar“, auf den die ganze Christenheit in dieser Karwoche blickt, musste das selbst am eigenen Leib erfahren: die Hosianna-Rufe, die bei Bedarf alsbald umgebogen werden in wütende Proteste: Kreuzigt ihn! Weg mit ihm! Macht ihn fertig! Stammtischparolen von damals, in jeder Hinsicht gemein und haltlos, aber wirkungsvoll.

Der aufrechte Gang dieses Menschen, auch auf seinem Kreuzweg, lehrt mich, dass wir uns nicht inszenieren, von anderen hochjubeln noch niederschreien lassen müssen. Wir sind schon wer! In den Augen Gottes haben wir eine Würde, die uns niemand nehmen kann, selbst dann nicht, wenn wir lauthals und demonstrativ zur Schnecke gemacht werden.

Immerhin verrät Herr Gottschalk humanistische Bildung, wenn er sich in der dünnen Luft der Titanen wähnt, jenem alten Göttergeschlecht der griechischen Mythologie. Aber aufgepasst, denn der Kampf der Titanen endete tödlich: in der griechischen Hölle, dem Tartaros, aus dem es kein Entrinnen gab.  Da gehe ich doch lieber meinen eigenen Weg - im Blick auf den, der jenseits aller hochjubelnden oder verdammenden Urteile das Geheimnis der Erlösung bereits in sich trägt.

Ruhrnachrichten 6. April 2009

 

 


Direktor
Sozialinstitut
Kommende Dortmund
 
Direktor
Katholische Akademie
Schwerte
 
Impressum