Kolumnen

Und plötzlich tut sich die Erde auf

In Kamen tut sich die Erde auf. Nein, kein Höllenschlund, wie dies in apokalyptischen Horrorszenarien immer wieder ausgemalt wurde, und nein, es sind auch keine neuen Bergschäden, an die wir uns in dieser Region ja gewöhnt haben. Da hat jemand schlicht die Erde angezapft, um ihr die Wärme zu entziehen, und muss nun überrascht feststellen, dass die Erde sich wehrt, mit unsichtbaren Armen nach ihrem Peiniger greift und ihn in die Tiefe zu ziehen droht

Zum Glück ist die Geschichte noch einmal halbwegs gut ausgegangen, sieht man davon ab, dass das ein oder andere Haus jetzt einsturzgefährdet ist. Aber Menschen sind gottlob nicht verletzt worden, anders als beim Beben der Erde in jener Gegend, wo dieser Tage der Trümmergipfel der führenden Wirtschaftsnationen stattfand.

Die Mächtigen dieser Welt vor den Trümmern kosmischer Gewalten:  eine symbolträchtiges Bild,  das eindrucksvoll die Begrenztheit menschlichen Handelns vor Augen führt, zugleich ein fragwürdiges Mittel, um das Leid der Menschen für die Weltöffentlichkeit zu inszenieren und zur Solidarität mit den Opfern anzuhalten. Aber die Kulisse der zerstörten Stadt macht vor allem deutlich, dass die Welt sich als Schicksalsgemeinschaft begreifen muss, um nachhaltig das Zusammenleben der Völker und das Überleben der Menschheit zu sichern. Dazu passt, dass Papst Benedikt XVI. am Vorabend des Gipfels in seiner Sozialenzyklika „Caritas in Veritate“ die Politiker dazu aufruft, bei der Lösung der globalen Probleme die notwendigen ethischen Grundlagen nicht zu vergessen. Und er ermutigt alle Menschen guten Willens, sich als Gestalter, nicht als Opfer derzeitiger Entwicklungen zu sehen. Aufbauarbeit ist angesagt, nicht nur in L’Aquila, damit die Menschen auch menschenwürdig leben können: überall und jederzeit. Und natürlich auch am Bohrloch von Kamen.

 

Ruhrnachrichten 13. Juli 2009


Direktor
Sozialinstitut
Kommende Dortmund
 
Direktor
Katholische Akademie
Schwerte
 
Impressum