Kolumnen

Wahre Meisterschaft


Der Tod – ein Meister in Deutschland. Kunstinteressierte sind vielleicht an den Sensenmann erinnert, der auch in Dortmund während der großen Pestepidemien ganze Bevölkerungsschichten dahinraffte (man denke an die Große Pest der Jahre 1350, 1429, 1483, 1503, 1508, 1513, 1519-20, 1599). Das Bild des Sensenmanns bekommt nun eine makabre Aktualität, da der frühere Hamburger Innensenator eine giftgrüne Selbstmordmaschine präsentiert, mit der sich Sterbewillige eine tödliche Injektion verabreichen können. Selbsteliminierung per Knopfdruck, angeblich im Dienste humanen Sterbens, was in Wahrheit doch ein Schrei der Angst, der Einsamkeit, der Verzweiflung ist. Wie weit sind wir verkommen! Der Tod – ein Meister in Deutschland. 

Wirklich humanes Sterben wäre genau das Gegenteil: dass unser Menschsein gerade auch in seiner Schwäche und an seinem Ende zur Vollendung kommt. Sich mit einem vermeintlich heroischen Sprung ins Nichts zu stürzen, hieße dagegen, letztlich vor der Herausforderung des Lebens zu kapitulieren. Denn es macht gerade menschliche Größe aus, auch angesichts der eigenen Hinfälligkeit das Leben dem zurückzugeben zu können, von dem wir es empfangen haben - schmerzfrei und begleitet von Menschen, die einem in dieser wichtigsten Lebensphase zur Seite stehen. „Kostbar ist in den Augen des Herrn das Sterben seiner Frommen“, so seit Jahrtausenden das Bekenntnis jüdisch-christlichen Betens, Ausdruck gläubiger Gewissheit.

Der Tod – ein Meister? Es bleibt vielmehr die Herausforderung, den Tod zu meistern. Da mag die Nachricht vom Tod Luciano Pavarottis aufhorchen lassen. Von ihm sagt Jose Carreras, ein Künstlerfreund, dem Pavarotti selbst bei dessen Leukämiekrankheit beistand: „Pavarottis Mut und die Stärke, mit der er seinem schweren Krebsleiden entgegengetreten ist, hat uns alle tief beeindruckt.“ Wie es scheint, hat sich jener schwergewichtige Heldentenor auch auf diesem Feld ein letztes Mal als Maestro erwiesen.
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