Kolumnen

Eine Sache des Herzens

Protestanten zeigen Herz. Und nicht zu wenige. Allein 120.000 Dauerteilnehmer waren es auf dem Kirchentag in Dresden, der gestern zu Ende ging. Bleibt zu hoffen, dass die Katholiken den Ball aufnehmen, wenn sie im nächsten Jahr in Mannheim „einen neuen Aufbruch wagen“, auch in der Ökumene. Denn nach einem Jahrzehnt der tapfer deklarierten „Ökumene der Profile“, um nicht zu sagen: der Abgrenzung, gibt es wieder Hoffnung, dass die Christen sich auf das Herzensanliegen ihres Stifters besinnen: „dass alle eins seien“ (Joh 17,21). Es geht um die Einheit der Christen, nicht als Nivellierung verstanden und nicht als Uniformierung, sondern als das geisterfüllte Miteinander derer, die ob ihrer Glaubensverwandtschaft auch einander  herzlich zugeneigt sind. Manchen mag das wie ein Wunder erscheinen, aber genau darum beten die Christen in diesen Tagen: dass sich das Wunder von Pfingsten aufs Neue ereigne und sie mit Verwunderung feststellen, dass sie trotz aller Verschiedenheit eines Geistes sind. 

Es wäre das Gegenbild zu jenem dramatisch ausgemalten Untergangsszenario, das die ZEIT auf die Titelseite ihrer  letzten Ausgabe platziert hat: das Bild einer in den Fluten der Welt (oder des ZEITgeistes?) versinkenden Kirche – wobei nicht zu erkennen ist, ob es sich bei der Illustration um eine evangelische oder katholische Kirche handelt. Dazu der besorgte Aufschrei: „Ist die Kirche noch zu retten?“ Mit drängt sich da eher die spontane Gegenfrage auf: Ist die Welt eigentlich noch zu retten? Denn um eine Gesellschaft, die gerade dabei ist, ihre eigene Wertebasis über Bord zu werfen, müsste man sich ernstlich Sorge machen, man denke nur an pikante Enthüllungen im Umfeld diverser Versicherungsvorstände oder die Schmierenkomödien in unserer so geliebten Fußballwelt. Da werden momentan ganz andere Ideale und Vorbilder versenkt.

Nein, es sind nicht die Kirchen, für die man  großherzig-mitleidvoll das Rettungspaket schnüren müsste. Es sind die Kirchen selbst, geeint im Geist ihres Herrn,  denen es in ein Herzensanliegen sein muss, auch heute in der Gesellschaft ihre Schätze auszubreiten. Denn da ist auch unser Herz!

Ruhrnachrichten 6. Juni 2011

 


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