Nun bekommt also auch Dortmund (wieder) seine Kathedrale, eines des mehrgeizigsten Leucht-(nicht Kirch-)Turmprojekte der neueren Zeit, nur dass auf dem Turm kein Kreuz, ja nicht einmal ein wetterwendiger Hahn aufragt, sondern ein abstraktes alphabethisches Symbol: „U“ wie Unendlich, Unbegreiflich, Unverzichtbar.
Die „Kathedrale“ im 7.Stock des Dortmunder U-Turms, mehr als gastronomische denn spirituelle Aussichtsplattform geplant, kommt dennoch nicht ohne erhebende Gefühle aus. Immerhin ist man dem Himmel dort näher, und das „U“ liest sich nach allen Seiten wie ein überdimensionales Hufeisen, ein Magnet, das gewissermaßen den Himmel auf die Erde ziehen will.
Die Kathedrale im U-Turm also als spirituelles Kraftzentrum? Das wäre denn doch zuviel Ehre, und die Proteste seitens der eigentlichen Kathedralen unserer Stadt wären vorprogrammiert. Denn um dem Himmel nahe zu sein, muss man keinen Aufzug benutzen. Er neigt sich vielmehr dem zu, der sich nach ihm ausstreckt – fast in Form eines „U“.
Himmel, Synonym für die unbeschreibliche Nähe Gottes, ist auch da, wo die Dortmunder ihr „U“ als Symbol etwa der kommunizierenden Röhren begriffen und ihre Stadt als einen Ort des Ausgleichs - zwischen Arm und Reich, Jung und Alt, zwischen Menschen unterschiedlicher Bildungs- und Geschmacksmilieus, mit aus- und inländisch klingenden Namen. Wo der Reichtum des einen dem Mangel des anderen ausgleicht. Das hätte wirklich Leuchtkraft in unserer Gesellschaft, weit über Dortmund hinaus.
Denn auch der Himmel – Gott – macht da keine Unterschiede. Ihm reichen die symbolhaft zum „Himmel“ ausgestreckten Arme. Und so könnte das Dortmunder „U“, auf das unsere Stadt so stolz ist, tatsächlich zu einem weithin sichtbaren Wahrzeichen und Symbol der Miteinanders werden, worauf ja der ursprüngliche Name der „Union“ - stellt man die Brauassoziation einmal zurück - auch anspielt: „Vereinigung“, Verbundenheit, Verständigung.
Kathedralen sind eigentlich Orte, an denen eine „kathedra“ steht: ein „Lehrstuhl“: spirituelle Kraftzentren mit Signalwirkung. Dortmund, die Stadt unter dem „U“ – und wer sagt, dass nicht auch diese Kathedrale ein Ort ist, der der Himmel gar nicht so fern ist.
Ruhrnachrichten 3. März 2008