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Die Welt in Farben

Kolumne

Schöne bunte Welt, unsere Welt in Farben. Blau-weißer Freudentaumel in Bochum, die für abgestiegene Schalker die Fahne hochhalten; und auch Gelb-Schwarz weht überall, wo man nach dem Pokal die Champions League-„Quali“ feiert. Und wo das farbenfrohe Bremer Grün fehlt, flattern schon jetzt die Fürther Vereinsfahnen, ebenfalls Grün-Weiß. Da braucht es keinen Fahneneid; denn es gibt schon längst „echte Liebe“, unterlegt mit inbrünstigen Treueschwüren: „You‘ll never walk alone“. Da sage noch einer, Fahnen würden keine Identität stiften. Das führt zwar manchmal auch zu körperbetonten Auseinandersetzungen, die natürlich in keiner Weise tolerabel sind:  unreife Übersprunghandlungen von Anhängern, die das spielerische Aushandeln von Stärke (und Finanzmacht) noch nicht verstanden haben.

Denn wer erkennt nicht den zivilisatorischen Fortschritt darin, wenn nationale Identitäten sich vor allem in Sport- und Kulturveranstaltungen behaupten. So auch beim European Song Contest an diesem Wochenende in Rotterdam, wo euphorisierte Fangruppen ihre nationalen Symbole als farbige Winkelemente (miss)brauchen. Eine hübsche Idee, internationale Konkurrenz friedlich in Liederwettbewerben statt auf den Schlachtfeldern auszutragen. Man muss den gruftigen Italo-Rock ja nicht mögen als Ausweis paneuropäischen Musikgeschmacks; und wenn Europa sich so in Harmonie übt (Dissonanzen nicht ausgeschlossen), kann man sogar den vorletzten Platz für den deutschen „No Hate“-Beitrag verschmerzen.

Die Welt in Farben. Bunt. Nicht schwarz-weiß. Nicht: ICH oder DU, sondern WIR, so bunt und vielfältig, wie das Leben nun einmal ist. Diversität zulassen - das meint, andere Meinungen gelten lassen, den Anderen gelten lassen, obwohl und weil er bzw. sie anders ist. Was ist so schwer daran? Man muss ja nicht die eigene Überzeugung verleugnen. Wir sollten uns schämen, dass Ausgrenzung, Rassismus, Antisemitismus … immer noch ein Thema ist - nach Jahrhunderten bemühter Zivilisation und Kultur! An Pfingsten lernen wir Christen, Einheit in Vielfalt wieder neu ins Miteinander umzusetzen: „Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch das Band des Friedens! Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung …, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist.“ (Eph 4,5) Unsere Reifeprüfung, ob wir die göttliche Farbenlehre verstanden haben: Gott mag uns bunt – egal, welchem Glauben wir anhängen.