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Es gilt das gesprochene Wort …

Kolumne

„Es ist eigentlich alles gesagt, nur noch nicht von jedem …“ Ein alter Kalauer, der aber immer wieder passt, gerade auch in diesen Tagen, wo die schier unerschöpflichen Themen wie Staatsschulden, Euro-Krise, „Grexit“ … auf allen Fernsehkanälen und Radiobeiträgen, auf Internetforen und in immer neuen Zeitungskommentaren wiedergekäut werden – ohne Aussicht auf einen Mehrwert an Erkenntnisgewinn. Die frohe Botschaft aus Brüssel, Athen oder Berlin heißt dann jedes Mal: sie reden miteinander, immerhin! Um dann doch noch nachzuschieben, es sei aber noch nicht zu einer Verständigung gekommen …

Aber genau darum müsste es doch gehen: miteinander sprechen, damit die Verständigung zu größerem Verständnis für die Auffassung, für die Not oder besondere Situation des jeweils anderen führt. Das ist in der großen Politik nicht anders wie im täglichen Leben. Manche meinen, man müsste nur laut und lange genug auf den anderen einreden, um sich verständlich zu machen und sich mit seiner Meinung durchzusetzen; und mit entsprechendem Imponiergehabe versuchen sie die anderen einzuschüchtern oder mundtot zu machen. Überzeugend wirkt das allerdings nicht. Darauf müsste man vielleicht auch mal die Kontrahenten so mancher Talkshow hinweisen – oder die Verhandlungspartner in der Politik oder bei Tarifauseinandersetzungen. Denn eines ist doch völlig klar: wenn ich etwas erreichen will, muss ich den anderen ernst nehmen, seine Sorgen und Bedenken, auch wenn ich nicht seiner Meinung bin, anstatt einfach nur gebetsmühlenartig die eigene Position zu wiederholen.

Wir sollten wieder lernen, miteinander zu reden, nicht übereinander und nicht aneinander vorbei. Darum braucht es Foren und Veranstaltungsformate, die für eine neue Kultur des Dialogs stehen, für die Kunst des Redens und des Hörens und die Bereitschaft, ernsthaft und aufrichtig nach gemeinsamen Lösungen zu suchen, ohne den anderen über den Tisch zu ziehen, ihn niederzumachen oder bloßzustellen. Dann wäre nicht nur alles gesagt; es gäbe auch ein Ergebnis. Das wäre doch was!

(ebenfalls erschienen in K-PUNKT)