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Gut erholt und gut gerüstet?

Kolumne

Und, haben Sie sich gut erholt?“ – Das Wohnmobil war noch nicht wieder auf seinem alten Stellplatz, die letzten Reiseutensilien wurden noch ins Haus getragen, da erwarten die Urlaubsheimkehrer schon interessierte Blicke und neugierige Fragen. Ja, man war wieder zu Hause, in der vertrauen Nachbarschaft, die während der Urlaubsreise auf Haus und Wohnung aufgepasst hatte.

Diesmal die Ferien waren wirklich nötig gewesen, nach der langen Zeit der Einschränkungen und Entbehrungen. Einfach einmal abschalten und „normal“ Urlaub machen, sofern man es sich denn leisten konnte. Wenigstens ein paar unbekümmerte Tage erleben, auch wenn die Sorge um die neue Delta-Variante mit im Reisegepäck war. Maskenpflicht und Abstandsregeln galten ja schließlich überall, auch im Urlaub, und man konnte auch nicht sicher sein, ob das Feriendomizil nicht doch über Nacht zum Hochinzidenzgebiet erklärt wurde. Wie soll man da unbeschwert Ferien machen, vor allem wenn man die Bilder von reißenden Sturzfluten sah, die die Menschen im Schlaf überraschten, die alles mit sich fortrissen und ein Bild der Zerstörung hinterließen. Dazu Hitzewellen und Feuerwalzen im Mittelmeerraum, die vielerorts im wahrsten Sinn des Wortes „verbrannte Erde“ hinterlassen haben, eine gespenstische Mondlandschaft.

Haben wir uns angesichts solcher Schreckensszenarien gut erholt? Konnten wir abschalten und trotz alledem „auftanken“, um gerüstet zu sein für die Aufgaben und Herausforderungen, die bereits auf uns warten? Auch wenn meist der erste Impuls ist, alles hinter sich zu lassen und einfach nur rauszukommen aus allem, was einen einschränkt und beengt: nach der kurzen Auszeit sind all die Sorgen und Probleme ja wieder da.

Ich bin da in meinem Urlaub auf ein prophetisches Wort gestoßen, das mich seitdem begleitet und mir hoffentlich hilft, mit größerer Gelassenheit und innerer Kraft, aber auch mit Ernsthaftigkeit all dem zu begegnen, was demnächst wieder auf mich einströmt: „Weißt du es nicht, hörst du es nicht? Der HERR ist ein ewiger Gott, der die Enden der Erde erschuf. Er gibt dem Müden Kraft, dem Kraftlosen verleiht er große Stärke.“ (Jes 40, 28f) Was für ein Wort, gerade angesichts der Katastrophen, derer wir in diesen Wochen gewahr werden. Ermutigend, ohne irgendetwas zu verharmlosen oder zu beschönigen. Denn es gibt diese Momente der inneren und äußeren Erschöpfung, der Kraftlosigkeit – aber auch die Erfahrung, dass einem in solchen Situationen auch ungeahnte Kräfte zuwachsen, innere Ruhe und mentale Stärke. Das ist auch die Lebensweisheit, die aus diesem jahrtausendealten Text spricht: „Die Jungen werden müde und matt, junge Männer stolpern und stürzen. Die aber auf den HERRN hoffen, empfangen neue Kraft, wie Adlern wachsen ihnen Flügel. Sie laufen und werden nicht müde, sie gehen und werden nicht matt.“ (Jes 40, 28-31) Dass wir in diesem Sinn gut in die Herbst- und Wintersaison starten können, erholt an Leib und Seele, mit neuer Kraft und innerer Stärke, wünsche ich uns allen.