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Kolumne der Zuversicht

Kolumne

Machen Sie’s gut, und bleiben Sie zuversichtlich!“ Ein wohlmeinender, bestärkender Gruß, mit dem Ingo Zamperoni jeden Abend die Fernsehnation in die Nacht entlässt. Zuversicht: das ist mehr als der nüchtern-rationale Appell: Halten Sie durch!, mehr auch als die kämpferisch-auflehnende Unmutsäußerung: Jetzt reicht’s!, weitaus mehr als das fatalistisch-apathische Achselzucken: Was kann man da schon machen ... – Jede dieser Haltungen ist verständlich: Die täglichen Infektions- und Mortalitätszahlen, die Reproduktionsrate (R), das Warten auf die Corona-App… all das bestimmt weithin unser Leben, und uns bleibt nichts anderes übrig, als möglichst „heil“ durch die Krise zu kommen. Und ja, je länger die Krise dauert, desto ungeduldiger werden wir, erst recht, wenn die berufliche Existenz auf dem Spiel steht oder die Nerven blank liegen ob der Enge und der Doppel- und Dreifachbelastung; wenn Beschränkungen teilweise gelockert werden, man selber aber noch vom Shutdown betroffen ist; wenn man seine ganze Hilflosigkeit spürt, voneinander getrennt zu sein, erst recht die Ohnmacht, wenn auch die beste Intensivmedizin nicht jedes Leben retten kann.

Ungeduld, Ärger, Auflehnung, Neid, Fatalismus … - eine ganze Palette an Gefühlsregungen zeigt sich da, und jede dieser Stimmungen ist für sich genommen verständlich - hilft aber im Moment nicht weiter. Wie kann man da „zuversichtlich“ sein? Zuversicht, so der Duden, meint „festes Vertrauen auf eine positive Entwicklung in der Zukunft, auf die Erfüllung bestimmter Wünsche und Hoffnungen“. Das hört sich gut an; aber momentan erleben wir, dass wir nur „auf Sicht“ fahren, dass uns die Übersicht fehlt, der große Durchblick versperrt ist. Woher also nehmen wir diese Zuversicht, die positive Sicht auf die Zukunft, das Vertrauen, dass am Ende doch alles gut wird?

Psychologen und Managementtrainer sprechen häufig von „Resilienz“: jener Kraft, die in uns steckt, mit der man es vom Boden wieder auf die Beine schafft. Die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und Schicksalsschlägen besser und schneller standzuhalten. Da mag es hilfreich sein, sich daran zu erinnern, dass man schon andere schwierige Zeiten durchgestanden hat; und uns mag beflügeln, dass andere uns zutrauen, dass wir die Probleme lösen können und die Herausforderungen meistern werden.

Wenn von Zuversicht die Rede ist, dann klingt da die urtümliche Bedeutung mit: „sich zu jemandem versehen“, was so viel bedeutet wie „auf jemanden vertrauen“. Das mag uns ermutigen, nicht ängstlich die Augen vor der Zukunft zu verschließen, sondern genauer hinzuschauen und in dem Undurchsichtigen und Unübersichtlichen bereits erkennen, wem man in all dem Ungemach vertrauen kann. Vielleicht gerade so, wie es Menschen schon immer getan haben, wenn sie betend in ihre Not hineinfragen: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?“, und die schon im Sprechen bereits die Antwort erahnen: „Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde erschaffen hat“.  Auch dann müssen wir tapfer und vorsichtig tastend vorangehen, aber doch mit einem Grundgefühl der Gottverbundenheit. In diesem Sinn: „Machen Sie’s gut, und bleiben Sie zuversichtlich!“