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Stella

Kolumne

Dortmunds anonyme Tote. Stella und das Rätsel um ihre Identität!“ So der Aufmacher vor wenigen Tagen in dieser Zeitung. Die Story hat das Geheimnis um jene unbekannte Frau zwar nicht gelüftet, aber mit der Erwähnung ihres Namens immerhin das einsame Ableben eines Menschen in Erinnerung gerufen. „Stella“, so soll sie sich genannt haben, die junge obdachlose Frau, die vor einigen Monaten tot aufgefunden wurde. Ein schöner Name. Vielleicht die Erinnerung an eine glückliche Kindheit, als ihre Mutter sie liebevoll „mein Stern“ genannt hat; oder an einen Liebhaber, für den sie sein „Augenstern“ war. Oder sie hat sich selbst diesen Namen ausgedacht, weil sonst keiner ihren Namen gekannt, sie angesprochen, sie persönlich gemeint hat. „Stella Diamant“, so hat sie ihre Personalie angegeben: ein Rest von Würde, den sie sich bewahrt hat.

Stella. Der Zeitungsartikel zeigt noch einmal Dein verletzliches Gesicht, das letzte Foto, das man von Dir gepostet hat - wie auf einem Fahndungsfoto, um doch noch in Erfahrung zu bringen, wer Du warst, wo Du gelebt hast, wie Du gestorben bist. „Fälle wie der von Stella landen in Dortmund auf den Schreibtischen des KK 11. Tötungsdelikte, Todesermittlungen, Vermisstenfälle, Waffendelikte und andere schwere Fälle laufen hier auf.“ Am Ende bist Du ein ungelöster Fall in der Kriminalstatistik, ein Vorgang auf einem Schreibtisch einer Behörde, die Deinen Tod, Deine Herkunft aufklären soll, damit die Akte mit dem Eintrag ins Personenstandsregister endlich geschlossen werden kann.

Aber vielleicht gibt es da gar nichts aufzuklären, jedenfalls nichts, was Dich betrifft, die Du das Leben und die Lebenden hinter Dir gelassen hast. Stella, ich habe Dich nie kennen gelernt und weiß nicht, was für Dich im Leben wichtig war, woran Du geglaubt, worauf gehofft hast. Was hast Du an Ungerechtigkeiten ertragen, was möglicherweise an Unrecht begangen? Ich glaube daran, dass im Tod jeder Mensch mit seiner Wahrheit konfrontiert, aber auch von den Tröstungen Gottes gleichsam umarmt wird. „Die Seelen der Gerechten aber sind in Gottes Hand, und keine Folter kann sie berühren. In den Augen der Toren schienen sie gestorben, ihr Heimgang galt als Unglück, ihr Scheiden von uns als Vernichtung; sie aber sind in Frieden. In den Augen der Menschen wurden sie gestraft; doch ihre Hoffnung ist voll Unsterblichkeit.“ (Weish 3,1-4). Das sind meine Gedanken, wenn ich Dein Foto in der Zeitung sehe. Und ich glaube daran, dass Du bei Gott den Frieden findest, der Dir auf Erden versagt geblieben ist. Ruhe also in Frieden!