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Weihnachts-Posting

Kolumne

Weihnachtspost. Alle Jahre wieder. Auch wenn wir den Rest des Jahres weithin über Social Media – Kanäle miteinander kommunizieren, per E-Mail oder SMS, auf WhatsApp oder Instagram … Zu Weihnachten muss es Briefpost sein; kunstvoll bedruckte Weihnachtskarten, mit einem persönlichen Gruß, gern auch originell verpackt oder von Hand bemalt. Etwas, das man in den Händen halten, das man aufbewahren kann: gleichsam um sich zu vergewissern: Weihnachten findet statt, wie jedes Jahr, mit Weihnachtsbaum und Geschenken, der Krippe und den alten Liedern. Es ist der Tag, jedenfalls bei uns, an dem die Familie zusammenkommt, und sei es auch nur für ein paar Stunden, zu fröhlicher Bescherung und festlichem Essen – im besten Fall. Auch wenn das Religiöse in unserem Alltag immer weniger eine Rolle spielt und vielen Zeitgenossen der christliche Glaube mit den Jahren irgendwie abhanden gekommen ist: Weihnachten ist ein Fixpunkt im Rhythmus des Jahres, ein Markstein im gleichmäßig dahinfließenden Strom der Zeit. Erinnerung an längst verblasste Kindertage, irgendwie aus der Zeit gefallen, und doch ein Wink „von oben“, der dem Leben Richtung weist.    

Mich hat dieser Tage dann doch ein digitaler Weihnachtsgruß erreicht: von Dom Bernardo, einem deutschen Franziskaner, der in den Weiten des Amazonas dort Bischof ist. In seiner E-Mail das Foto einer Krippe, aufgestellt in einem Krankenhaus. Das Kind liegt da in einer Hängematte, wie es in den Hütten dort üblich ist. Frei Mariano, ein Franziskanerbruder, der diese Krippe gestaltet hat, ist im vergangenen Jahr an Covid 19 verstorben. Wie so viele, die sich eingesetzt haben, um das Leben anderer zu retten. Die Krippe, Botschaft gottgeschenkten neuen Lebens, erinnert so zugleich an die vielen Toten, aber auch an alle, die sich immer wieder für andere eingesetzt und sich um sie gekümmert haben. Leben und Tod – beides haben wir nicht „im Griff“. Dass sich neues Leben schenkt: es ist ein Wunder! Dass das Leben vergeht, hinüberwächst ins himmlische Weihachten: Vollendung.

Jene Weihnachtspost vom breiten Strom, dem Amazonas: Mich erinnert sie daran, dass gerade auch in den Dunkelzeiten dieser Tage, gezeichnet von Corona und der Ungewissheit, was mit der Omikron-Variante noch alles auf uns zukommt, unser Leben geschenkt und zugleich begrenzt ist. Aber in der Botschaft von Weihnachten liegt doch auch ein Zauber, dass unser Leben – von Anfang bis Ende – in Gottes Hand liegt. Für mich ist es bei aller Unübersichtlichkeit etwas Tröstliches und Befreiendes. Es verleiht dem gegenwärtigen Augenblick etwas von jenem Glanz der Weihnacht. Möge sie hineinleuchten auch weit in das neue Jahr!