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Willkommen im Sehnsuchtsland!

Kolumne

Von den Mühen einer Integrationskultur

Es war im letzten Jahr in Afrika. Mit einigen Studierenden war ich in Ruanda, wo wir für Flüchtlinge aus Tansania Hütten gebaut und Wasserleitungen gelegt haben. Nachdem gerade 36.000 Flüchtlinge in dem bitterarmen Land verteilt waren, standen in diesem Jahr, unbemerkt von der Weltöffentlichkeit, rd. 80.000 Flüchtlinge aus Burundi vor der Tür, notdürftig untergebracht in Zeltstädten der UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR. Es war für uns beschämend, mit welcher Selbstverständlichkeit und Großzügigkeit die Afrikaner das Wenige, was sie haben, mit denen teilen, die Schutz und Hilfe suchend bei ihnen gestrandet sind.

Was das für eine Regierung, eine Zivilbevölkerung bedeutet, erleben wir in diesen Monaten in Europa: an den europäischen Außengrenzen in Griechenland, Ungarn, Kroatien, Slowenien, in Italien, Malta, Spanien … Und auch bei uns in Deutschland. Die bange Frage, die hinter der ersten Welle der Willkommenskultur steht: Schaffen wir das? Haben wir den Mund nicht etwas zu voll genommen? Haben wir den langen Atem, den es braucht, um Menschen nicht nur willkommen zu heißen und ihnen ein Dach über dem Kopf und eine warme Mahlzeit zu geben (was schon viel ist!), sondern sie in unsere Welt zu integrieren, ihnen gute Lehrer, Nachbarn, Arbeitskollegen … zu sein. Die Kommende hat das frisch renovierte Reinoldushaus geräumt und bietet immerhin Platz für 18 Flüchtlinge, junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren, die nicht nur untergebracht und versorgt werden, sondern mit Integrationsseminaren, Sprachkursen und beruflichen Einstiegshilfen den Weg in eine selbstbestimmte Zukunft finden wollen.

Es ist wahr: wir können nicht die ganze Welt aufnehmen, aber wir könnten zumindest denen, die vor unserer Tür stehen, ein freundliches Gesicht zeigen, und wer sagt, dass wir schon das uns Mögliche getan haben? Bislang geben wir etwas von unserem Überfluss, und es sind nicht wenige, die sich die Aufnahme von Flüchtlingen auch gut bezahlen lassen. Bevor wir also leichtfertig sagen, dass wir an unsere Grenzen kommen, sollten wir ernsthaft die Grenzen unserer Gastfreundschaft und Aufnahmebereitschaft ausreizen. Wenn die Begeisterung des Anfangs nachlässt, wird es darauf ankommen, sich ernsthaft und mit langem Atem für die Integration der Fremden in unserem Land zu engagieren. Das ist nicht nur eine Frage menschenfreundlicher Politik und werbewirksamer Humanität: für uns Christen ist es schlicht eine Glaubensfrage: „Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen ...“ (Mt 25, 35). Es sind die Fragen, die Gott uns am Ende unseres Lebens einmal stellen wird. Und was für ein Glück: Die Antwort können wir schon jetzt geben.

(erschienen in K-PUNKT)