Monatskolumne

Alles wie immer?


Alles wie immer im neuen Jahr. Die Weihnachtsdeko ist abgeräumt, die Umtauschaktionen sind abgeschlossen, die letzten Böller und Silvesterraketen abgefeuert. Allmählich kehrt die Republik zum Arbeitsmodus zurück. In der Schule kommen die Halbjahreszeugnisse in den Blick; auf Neujahrsempfängen werden gute Geschäftsaussichten
präsentiert; in Berlin müht man sich weiter um eine Regierungsbildung; die Verhandlungen in der Metallbranche gehen weiter. Auch der allmorgendliche Stau auf der Autobahn ist wieder da. Man mag sich wieder über manches aufregen oder ärgern, aber es ist doch irgendwie beruhigend, dass alles seinen gewohnten Gang geht.

Wären da nicht die leisen Erschütterungen, die zarten Risse in der Fassade des Gewohnten und Gewöhnlichen. Da höre ich von Freunden, dass die Ehe kurz vor Weihnachten auseinander gegangen ist. Wie werden die Kinder damit zurechtkommen? Ein junger Mitbruder, lebensfroh und allseits beliebt, wurde über Nacht ins Krankenhaus eingeliefert und gleich darauf auf die Palliativstation verlegt. Von einer Bekannten hat sich der Enkel das Leben genommen;

von seiner Depression hatte bislang kaum jemand Notiz genommen.Ein langjähriger Geschäftspartner hat kürzlich Insolvenz angemeldet, mit ungewissem Ausgang für die Beschäftigten seines Unternehmens ...

Nein, es ist nicht alles wie immer, und es kann auch schnell anders kommen. Auch wenn wir glauben, das Leben im Griff zu haben und uns gegen mögliche Risiken absichern zu können: es ist nicht selbstverständlich, dass es mir leidlich gut geht, und im Grunde weiß ich, dass auch ich nicht vor Rückschlägen, Enttäuschungen oder Verlusten gefeit bin. Leider merke ich oft erst, wie zerbrechlich mein kleines alltägliches Glück ist, wenn die Einschläge näher kommen. Aber das hat auch sein Gutes. Ich lerne, dankbar zu sein für das, was ich bin und habe, so bescheiden und begrenzt es auch sein mag. Und ich möchte gewappnet und innerlich vorbereitet sein, wenn plötzlich große Veränderungen anstehen. Daran erinnert mich ein mir liebgewordenes Psalmwort : "Meine Tage zu zählen lehre mich, damit ich ein weises Herz gewinne!" (Ps 90,12). Ich nehme es als Vorsatz für das schon nicht mehr ganz so neue Jahr.


Ruhr Nachrichten
15. Januar 2018

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