Monatskolumne

Endlich Ferien!

„Und Tschüss!“ – Freudestrahlend drehte er sich noch ein letztes Mal zu mir um, bevor er sich ins Auto setzte und losfuhr. Seine Frau gab derweil noch eine Adresse ins Navi ein, während die Kinder sich bereits ihre Earphones herausgeholt und auf den Handys ihre Musik gefunden hatten. Endlich Ferien! Zwei Wochen Sommer, Sonne, Urlaub am Meer. Ein letztes Winken. Mein „Erholt euch gut!“ ging schon in den Fahrgeräuschen unter, und ich dachte: die haben es gut!

Nicht dass ich neidisch wäre. Im Gegenteil. Ich habe mitbekommen, wie viel mein Kollege in den zurückliegenden Monaten gearbeitet hatte; wie stressig es ist, Beruf und Familie immer wieder in Einklang zu bringen, dazu die kleinen und großen Sorgen, wie es sie in jeder Beziehung gibt.

Nein, ich gönne ihnen den Urlaub von Herzen und hoffe nur, dass sie auch wirklich abschalten, runterfahren, den Kopf frei bekommen können – und vor allem Zeit haben: für sich selbst, füreinander, für das, was wirklich wichtig ist im Leben.

Denn das ist ja doch gerade der Sinn einer solchen Auszeit: dass wir wieder Zeit finden für die, die uns am nächsten sind und denen wir oft zu wenig Aufmerksamkeit, Verständnis, Geduld entgegenbringen. Dass uns aufs Neue bewusst wird, wie vieles wir für selbstverständlich nehmen, ohne zu bedenken, was wir anderen damit zumuten und ihnen abverlangen, während wir so mit uns selbst und unseren Herausforderungen und Problemen beschäftigt sind, gefangen im Hamsterrad unserer eigenen Betriebsamkeit. Und dass es gelingt, unbeschwert

genießen zu können, das Leben neu als Geschenk und nicht als Last zu empfinden.

Relax - Entspannung ist angesagt, so wie unser ganzer Körper auf den Rhythmus von Anspannung und Entspannung angelegt ist, unsere Muskulatur ebenso wie der Herzrhythmus und die Atmung. Das gilt für körperliche Anstrengung ebenso wie für die seelische Anspannung, und es bedarf gerade dieses Wechsels von Anspannung und Entspannung, um Lebenszeit und Lebensfreude zu erfahren. So notwendig es ist, sich den Problemen und Herausforderungen des Lebens zu stellen, so sehr braucht es auch Zeiten der Unterbrechung: Abstand zu nehmen, und sei es auch nur für die kurze Zeit der Ferien. Geistliche Lehrer und Meister der Meditation sprechen von der Kunst des Loslassens und der Gelassenheit. Das ist alles andere als einfach und selbstverständlich. Aber wo es gelingt, führt es zu einem inneren Frieden und einer teiferen Lebensweisheit, wie es in dem Gebet des US-amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr anklingt:

Gott, gib mir die Gelassenheit,

Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,

den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,

und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

In diesem Sinn: erholsame Ferien!


Ruhr Nachrichten
17. Juli 2017

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