Monatskolumne

Ostern  – Eine Frage auf Leben und Tod.

„Na, wo soll’s denn Ostern hingehen?“ – „In die Kirche natürlich!“ Der Mann auf dem Nachbarstuhl beim Friseur drehte ruckartig den Kopf zur Seite. So war die Frage gar nicht gemeint. Osterurlaub auf den Balearen oder  Skifahren in den Alpen, darüber hätte man unverfänglich reden können. Aber Kirche?

Das ist ja nun auch in Glaubensdingen eine etwas schwierige Woche, die da vor uns liegt. Wer denkt schon gerne ans Sterben, und in diesem Fall nicht nur in einem stillen Moment eigener Selbstvergewisserung, sondern ganz öffentlich und grundsätzlich, wo uns Christen das Bild eines Gottes vorgehalten wird, der in Jesus nicht nur Mensch wird, sondern bis ans Kreuz und in der Tod geht. Ein Gott, der nicht nur klein, sondern auch schwach wird – und der doch die Macht hat, die Macht des Todes zu brechen.  Denn das ist ja die überraschende Pointe an Ostern, dass da nicht irgendeine mythische Geschichte wiedererzählt oder dramatisches Welttheater aufgeführt wird. Die Kirche vergegenwärtigt sich an den „heiligen drei Tagen“ - Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern – des Dramas unserer menschlichen Wirklichkeit:

dass wir im Angesicht des Scheiterns, des Ausgeliefertseins, des Sterbens … nicht ohne Hoffnung sind, sondern dem trauen dürfen, der uns jenseits der Wunde des Todes zuruft: „Ich habe die Welt besiegt!“ Wir können sogar leben mit dem, der lebt. Das soll einer verstehen! Aber man darf es glauben und wird es erfahren. Deshalb ist uns Christen dann einfach nach Feiern zumute. Aus gutem Grund!

Ich kann verstehen, dass es da manchen eher in den Süden oder in die Berge zieht (was nicht heißt, dass man nicht auch dort in die Kirche geht). Die Frage nach dem Leben und dem Tod ist vielleicht auch nicht wirklich ein Thema für den Friseursalon. Aber für die Kirche schon, und für jeden Menschen auch. Denn diesen Lebensfragen kann sich man auf Dauer nicht entziehen.

Mein Nachbar beim Friseur erhob sich übrigens schon bald mit einem freundlich-nachdenklichen Nicken von seinem Stuhl, zahlte und ging, wohl auch erleichtert, dass er der Frage auf Leben und Tod noch einmal entkommen war. Oder auch nicht.

Ruhrnachrichten 2.4.2012

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