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Flagge zeigen Jetzt flattern sie wieder im Wind, die Fähnchen in den Landesfarben. Die Außenspiegel der Autos haben schwarz-rot-goldene Höschen angezogen, vor der Großleinwand zittert und leidet die nationale Fangemeinde, und wenn das erlösende Tor fällt, liegen sich wildfremde Leute in den Armen. „Freude schöner Götterfunken…“ - Wer weiß, ob nicht schon die Burschenschaften auf dem Hambacher Schloss insgeheim an Fußball dachten, als sie dort den Grundstein für unsere nationale Einheit legten. Eine „spielerische“ Einheit, da „unsere Jungs“ im Wettbewerb der Nationen unsere Farben verteidigen. Wir haben allen Grund, stolz zu sein. Das schweißt zusammen, nicht nur die Spieler. Es sind diese Momente, wo soziale Unterschiede und politische Gegensätze plötzlich keine Rolle spielen, wo man sich den „Luxus“ der Großzügigkeit und Gelassenheit leistet. Es gibt halt noch Anderes und Wichtigeres im Leben. Und wenn das schon bei der „schönsten Nebensache“ der Welt so ist, warum nicht auch in der Hauptsache: da, wo man unter einem Dach wohnt, wo man beruflich miteinander zu tun hat, wo unterschiedliche Interessen aufeinander stoßen? |
Wäre es nicht einfach eine Überlegung wert, das Sommer- oder Wintermärchen einfach fortzuschreiben, es Wirklichkeit werden zu lassen auch in den normalen Beziehungen und Kontakten? Bei Haushaltsberatungen und Tarifgesprächen, in Wartezimmer und im Feierabendverkehr. Da könnte es geschehen, dass so etwas wie eine Ahnung aufkommt, dass wir auch sonst, im richtigen Leben, etwas miteinander zu tun haben, und zwar von jeher – als Mit-Menschen, Mit-Bürger, Mit-Christen. Das Spiel ist früher oder später zu Ende, aber dieser Ball liegt jetzt in unserem Feld. Es liegt an uns, ob wir mit- und weiterspielen – und Flagge zeigen, und wäre es auch nur das kleine Fähnchen der Mit-Menschlichkeit. Ruhrnachrichten 28. Juni 2010 |
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