Monatskolumne

Abschieben oder Aussenden?

Normalerweise gilt diese Kolumne als unpolitisch – was sie natürlich nicht ist. Denn was immer Kirchen bewegt und Kirchen bewegen, hat mit Menschen, mit Gesellschaft zu tun, in die wir uns aus unserem christlichen Werteverständnis konstruktiv einbringen wollen, und wir sind den Ruhr Nachrichten dankbar, dass sie uns dieses Forum bieten.

 

Im letzten Jahr habe ich an dieser Stelle jeweils einen Offenen Brief an Hussein veröffentlicht, einen von 20 syrischen und irakischen Bürgerkriegsflüchtlingen, die wir in der Kommende aufgenommen haben. Insofern darf es nicht verwundern, dass wir auch zur Frage der Abschiebungen eine Meinung haben – und, wie ich meine, durchaus intelligente Ideen vorbringen könnten, wie man konstruktiv und wertschätzend auch mit dieser gesellschaftlichen Herausforderung umgeht.

 

Keiner der Migranten, die zu uns gekommen sind, hat sich einfach ins Flugzeug gesetzt. Jeder von ihnen hat eine leidvolle, oft traumatische Fluchtgeschichte, bangt um zurückgelassene Familien und Verwandte, hofft auf einen Neuanfang und ein Leben in Sicherheit und Frieden. Gleichwohl werden nicht alle, die zu uns wollen und hier ankommen, dauerhaft bleiben können. Aber allein schon der Begriff „Abschiebung“ ist entwürdigend. Abschieben klingt nach beseitigen, sich entledigen,

 

 

wegdrücken. Wer immer sich auf die Rückreise begeben muss, natürlich nur in „sichere“ Herkunftsländer, der sollte wissen, warum er das tut: dass die lange und gefahrvolle Fluchtgeschichte einen Sinn hat; dass man auch in der kurzen Zeit des Aufenthalts in unserer Gesellschaft etwas erfahren und gelernt hat, was wert ist, in die eigene Herkunftsgesellschaft importiert zu werden.

Unser Land könnte ein Interesse daran haben, diese Menschen so aufzubauen und befähigen, dass sie als Wertebotschafter unserer Kultur und Zivilisation in ihre Heimatländer ausgesandt werden. Dafür bräuchte es allerdings einen politischen Willen und eine Strategie, um hier bei uns Willkommenszentren (nicht Aufnahmelager) zu schaffen, in denen sie mit ihren Hoffnungen, Idealen und Fähigkeiten ernst genommen und, wenn eine Bleibeperspektive nicht gegeben ist, für ihre „Mission“ ausgerüstet werden. Dafür müsste man Geld in die Hand nehmen (das sonst auch unproduktiv ausgegeben werden könnte) und den Schulterschluss mit Kirchen, Hilfsorganisationen, Stiftungen, staatlichen Stellen etc. suchen, um in den „Empfängerländern“ Netzwerke, Einrichtungen und Kulturzentren aufzubauen (vergleichbar den Goethe-Instituten). Solche von uns entsandten Wertebotschafter müssten beruflich und finanziell abgesichert und so eingebunden werden, dass sie die bei uns erfahrenen Werte in ihre Heimatgesellschaft einbringen und so zur demokratischen, kulturellen und sozialen Entwicklung ihres Landes beitragen können: eine Keimzelle der Hoffnung. Dafür braucht es Mut, Kreativität und Phantasie - vermutlich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein; aber die Mühe würde sich lohnen.


Ruhr Nachrichten
6. März 2017

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