Monatskolumne

Der Welt ein Lächeln schenken

Lieber Hussein!

Die ganze Nation redet über Flüchtlingskrise und Integration. Politiker streiten über sichere Herkunftsländer und Finanzierungsmodelle. Ständig werden neue Betreuungskonzepte und Kursprogramme entwickelt und wieder verworfen. Währenddessen habt Ihr schon längst mit andern Jugendlichen Kontakt aufgenommen, die euch eingeladen haben, mit ihnen Fußball zu spielen. Und wo ein Ball im Spiel ist, versteht man sich auch ohne Worte. Wenn es dann möglicherweise an Absprachen hapert, ob im Sturm oder in der Verteidigung, wird durch Teamgeist mehr als wettgemacht.

Ich habe mich gefreut, dass ihr beim großen Finale der beneVolens-Seminare mit dabei wart, zusammen mit Haupt- und Gesamtschülern aus Dortmund und Kamen, und in den verschiedenen Workshops Eure Talente und Begabungen eingebracht habt. Etwa beim Brakedance, als alle Jugendlichen um Mohammed herumstanden und zu seiner akrobatischen Performance im Rhythmus geklatscht haben. Oder Hassan, der sich beim Feuerschlagen als echtes Genie erwiesen hatte, während du abends unter dem Beifall der Teilnehmer des Stiftungsforums auf Deiner Baklama gespielt hast. Die orientalischen Klänge waren für unsere Ohren zwar etwas ungewohnt, aber man hat das Leuchten in Deinen Augen gesehen - ein Stück Heimat inmitten der Fremde.

Auf Wunsch der Schüler startete der Aktionsnachmittag ja mit einem interreligiösen Gebet, in dem abwechselnd Worte aus dem Koran und der Bibel vorgetragen wurden, oft zum Verwechseln ähnlich, etwa der Aufruf zum Frieden: „Wo Frieden herrscht, wird für die Menschen, die Frieden stiften, die Saat der Gerechtigkeit ausgestreut“ (Jak 3,18), denn „wahrlich, Gott gebietet, gerecht (zu handeln), uneigennützig Gutes zu tun“ (Sure 16:90). Das verstehen alle, Christen und Muslime, Geflüchtete und Einheimische, Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund. Und ihr habt deutlich gemacht, dass der Ramadan ja nicht nur ein Monat des Fastens ist, sondern mehr noch eine Aufforderung, sich innerlich neu auszurichten, „auf dass die Menschen Gerechtigkeit üben mögen...“ (Sure 57:25).

Lieber Hussein, wenn ich in unserem Miteinander in den letzten Wochen und Monaten eines verstanden habe, dann dies, dass keine unserer Religionen zu Hass und Gewalt aufruft, sondern im Gegenteil zum Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Verständigung, damit die Menschen, wie es in einer unserer heiligen Schriften heißt, „eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“ (Mt 5,15f). Dazu hat auch das Motto unseres Aktionstages eingeladen: „Der Welt ein Lächeln schenken.“ Das hat, wie ich finde, unter uns schon ganz gut geklappt, und daran könnte sich so mancher in unserer Stadt ein Beispiel nehmen.

Ruhr Nachrichten
20. Juni 2016

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