Monatskolumne

Von Gott be-geistert

"Herr, wirf Hirn vom Himmel!", ein Stoßseufzer und Ausruf nahender Verzweiflung, wie er in diesen Tagen, so scheint es, besonders häufig zu hören ist. Man mag die Ignoranz, Inkompetenz und Impertinenz mancher Entscheidungsträger und Populisten diesseits und jenseits des Atlantiks beklagen und ist doch genötigt, ihr Versagen und ihren Dilettantismus über sich ergehen zu lassen und die Folgen mit Gleichmut zu (er)tragen. „Wat willste machen?“, so die achselzuckende Selbstbeschränkung all derer, die hinnehmen (und ausbaden) müssen, was so unerleuchtet an höherer Stelle beschlossen wurde.

Ja, es bräuchte in unserer Welt wohl wirklich mehr „Hirn“, sprich Sachverstand und Urteilsvermögen, aber auch mehr von jenem „Geist“, der nach dem Sinn oder Unsinn menschlichen Handelns fragt. Wofür setzen wir uns ein? Wohin wollen wir? – nicht nur persönlich, sondern auch gemeinsam, als Gesellschaft, als Weltgemeinschaft. Beschämend, wenn verantwortungslose Verantwortungsträger dagegen nur den größtmöglichen Eigennutz im Blick haben und die Interessen der eigenen Klientel bedienen! Bei so viel menschlicher Unreife mag einem spontan in den Sinn kommen, „gen Himmel“ zu schauen: nicht um untätig die Hände in den Schoß zu legen, sondern um auf eine

In-spiration zu hoffen, auf die Kraft „von oben“: mit neuer Be-geisterung dafür zu leben, dass das Böse geringer und das Gute umso kräftiger wird; dass die Traurigkeit schwindet und Freude um sich greift; dass Gerechtigkeit sich durchsetzt und Friede unter den Menschen ist, Frieden im Herzen – rund um die Erde.

Genau das ist die Dynamik von Pfingsten, jenem Fest, das wir Christen in diesen Tagen gerade gefeiert haben: alles von Gott zu erwarten und uns nach Kräften dafür einzusetzen, damit jeder Mensch sein Recht bekommt, im Kleinen wie im Großen, - und das Leben für alle lebenswert ist, überall und jederzeit. Dazu brauchen wir aber Gottes Geist, der in uns lebt und durch uns wirkt. Denn was sich vom Himmel schenken will, muss aus der Erde wachsen. Dazu braucht es Menschen, die sich von Gott „be-geistern“ lassen und sich mit Tatkraft in den Dienst der Gesellschaft stellen. Dann wirft Gott vielleicht kein „Hirn“ vom Himmel, wohl aber seinen „Geist“, der uns Menschen erleuchtet, uns tröstet und stärkt, damit wir die Kraft finden, das Angesicht der Erde zu erneuern.

Ruhr Nachrichten
6. Juni 2017

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