Monatskolumne

Und ob wir das schaffen!

Die Flüchtlingsfrage - „die Mutter aller Probleme“? Eine grandiose Fehleinschätzung, wie sich gezeigt hat, was zu den entsprechenden Verschiebungen in der politischen Landschaft geführt hat. Anstatt mit Stolz und gesteigertem Selbstwertgefühl auf das Geleistete zu verweisen, wurde immer wieder mal leise stöhnend, mal laut polternd, vor allem aber höchst medienwirksam die Problemlösungskompetenz unserer Bürgergesellschaft in Frage gestellt. Aber eine Gesellschaft, die es versäumt, ihre eigene Erfolgsgeschichte herauszustellen und sich für die anstehenden Zukunftsaufgaben zu begeistern, verharrt im lähmenden Wartestand widerstreitender Meinungen und zerlegt sich selbst im Kampf um die Deutungshoheit der Gegenwart.

Der kleinmütige, den Siegeswillen zersetzende Ruf der Bedenkenträger: „Warum schaffen wir das nicht“, führt am Ende zur Selbstverzwergung gerade jener Kräfte, die doch bislang in großartiger und erfolgreicher Weise für den gesellschaftlichen Zusammenhalt gesorgt und „Einigkeit und Recht und Freiheit“ in unserem Land bewahrt haben, was ja bekanntlich „des Glückes Unterpfand“ ist. Wer allerdings nicht daran glaubt, die anstehenden Herausforderungen bewältigen zu können, sollte auch nicht den Anspruch erheben, andere führen zu wollen. Quälende Selbstzweifel sind – jedenfalls in der Wirtschaft – ein absolutes Ausschlusskriterium bei der Besetzung von Führungsaufgaben.

Doch kann die Realität nicht einfach ausgeblendet, dürfen Probleme nicht klein geredet werden. Woher also soll uns die Kraft kommen angesichts der eigenen Grenzen und Schwächen, des Gefühls der Überforderung und des Eindrucks der Vergeblichkeit?

Gott mit dir, du Land der Bayern!“, so beginnt die Bayern-Hymne. Nach der gestrigen Wahl mag sie manch einer mit besonderer Inbrunst singen und dabei den Geist der Gründerväter und –mütter beschwören. Die Wahlkämpfer von gestern täten sicher gut daran, angesichts des Bergs an Aufgaben, der auf sie wartet, sich auf die alten Tugenden zu besinnen und sich daran zu erinnern, wo Menschen in bedrängter Zeit schon immer die Kraft zur Veränderung und zur Annahme der anstehenden Herausforderungen gefunden haben:

„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Er lässt deinen Fuß nicht wanken; er, der dich behütet, schläft nicht
.“ (Ps 121, 1-3)

Darauf dürfen wir vertrauen. Nicht nur in Bayern!


Ruhr Nachrichten
15. Oktober 2018

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